Fehlstellung der Beinachse

 

Beim Erwachsenen liegt normalerweise eine X-Beinachse von ca. 6-7° vor. Dadurch trägt der äußere (=laterale) Anteil des Kniegelenkes im Stehen die Hauptgewichtsbelastung.  

Fehlstellungen der Beinachse wirken sich ungünstig auf die Druckverteilung im Kniegelenk aus und können schon früh um das 40. Lebensjahr zu Belastungsbeschwerden und auch Ruheschmerzen, Überlastungserscheinungen am Knochen, degenerativen Meniskusrissen und Knorpelabrieb bis zur Arthrose führen. Durch zunehmende Beinachsenfehlstellung mit "Beinverformung" nehmen die Beschwerden im Verlauf oftmals deutlich zu. Dieser Prozess wird durch (Sport-)Verletzungen des Meniskus und am Meniskus und des Knorpels in jungen Jahren deutlich beschleunigt. 

Eine Fehlstellung der Beinachse kann angeboren oder erworben sein. Man unterscheidet dabei das O-Bein (Varusfehlstellung) und das übermäßig starke X-Bein (Valgusfehlstellung).

Meist liegen angeborene Beinachsfehlstellungen beider Beine vor. Die häufigste erworbene Ursache von Beinachsenfehlstellungen sind Verschleißerscheinungen im inneren oder äußeren Anteil des Kniegelenkes mit Verlust eines Meniskus und des Knorpels. Auch nach einer Operation mit Meniskusteilresektion wegen Rissbildung und Schmerzen, kann es mittel- bis langfristig zu einem Aufbrauch des Knorpels kommen. In beiden Fällen kommt es zur Ausbildung einer Gelenkspaltverschmälerung mit Beinachsenfehlstellung. Am Ende steht Knochen auf Knochen, ohne die Schutzschicht des Knorpels und ohne den Meniskuspuffer. Dabei kommt die O-Bein-Arthrose sehr viel häufiger als die X-Bein-Arthrose vor.

Therapie von Fehlstellungen der Beinachse 

Im Frühstadium mit sporadischen Beschwerden kann eine nicht-operative Therapie mit Physiotherapie, Schuhzurichtung und Schmerzmedikation Linderung bringen. Allerdings sollte man insbesondere bei starken Beinachsabweichungen und jungen Patienten mit Beschwerden frühzeitig über eine operative Beinachskorrektur nachdenken, denn nur dadurch kann die Belastungsachse normalisiert werden und ein frühzeitiges Fortschreiten verhindert werden. Anders gesagt ist es also wichtig, die Beinachskorrektur zu einem Zeitpunkt durchzuführen, zu dem die Schäden noch nicht zu weit fortgeschritten sind. 

Operative Korrektur der O-Bein-Fehlstellung 

Die Korrektur der O-Bein-Fehlstellung lässt sich grundsätzlich mit 2 Operationsverfahren erreichen: 

1) Entfernen eines Knochenkeils aus dem Schienbeinkopf von außen, wodurch nach Schließen dieses keilförmigen Spaltes und Fixieren mit einer winkelstabilen Tomofix-Platte eine X-Bein-Stellung resultiert (=Closed wedge-Osteotomie). 

2) Das keilförmige Öffnen des Schienbeinkopfes von der Innenseite und Fixieren analog mit winkelstabiler Platte und Schrauben. Je nach Ausmaß der Korrektur muss evtl. der hieraus resultierende Spaltraum mit Knochen aufgefüllt werden, den man vom Beckenkamm gewinnen kann (Open wedge Osteotomie). 

Schematische Darstellung einer Open Wedge-Osteotomie 

 

Auffüllen des Osteotomiespaltes mit Spongiosa nach Open Wedge-Osteotomie mittels TomoFix 


Röntgenkontrolle 3 Monate nach Open Wedge-Osteotomie mittels TomoFix 

Operative Korrektur der X-Bein-Fehlstellung

Die X-Bein-Fehlstellung wird nach demselben Prinzip behandelt. Dabei wird von der Innenseite des Schienbeinkopfs ein schmaler Knochenkeil entfernt und nach Schließen des Spaltes eine Fixierung mit der Tomofix-Platte vorgenommen. Dies ist aber nur bei geringgradigen Korrekturen möglich. Bei größeren Korrekturen muss die Umstellung am Oberschenkel oberhalb des Kniegelenkes vorgenommen werden. Auch hier eignet sich in besonderem Maße das Tomofix-System zur Fixierung. Dabei ist der Heilverlauf langsamer, da die Knochenheilung schwieriger ist. 

Seltener kommen Achsfehlstellungen nach Knochenbrüchen z.B. des Oberschenkels, oder des Schienbeinkopfes vor. Auch diese müssen analog korrigiert werden. Das gleiche gilt für angeborene Achsfehlstellungen. 

Nachbehandlungnach Osteotomie

Wir verwenden heute ausschließlich ein modernes und besonders winkelstabiles Plattensystem (Tomofix), das erst vor einigen Jahren entwickelt worden ist. Mit diesem System kann der Patient in den meisten Fällen bereits nach 2-3 Wochen wieder mit der vollen Belastung beginnen und die bis dahin benutzten Gehhilfen innerhalb von 6 Wochen weglegen. Dies ist mit keinem anderen Verfahren möglich. Die Platte sollte mit den Schrauben nach etwa 1 Jahr entfernt werden. Ein genaues Nachbehandlungsschema finden Sie unter der Rubrik "Nachbehandlung" auf unserer Homepage. 

  

Artikel verfasst von PD Dr. R. Siebold 

  

  

Logo

 

Zentrum für Hüft-, Knie- und
Fußchirurgie, Sporttraumatologie

Prof. Dr. med. Hans H. Pässler

Chirurgie - Unfallchirurgie -
Sportmedizin

Priv.-Doz. Dr. med. Rainer Siebold

Orthopädie - Sportmedizin -
Orthopädie/Unfallchirurgie -
Chirotherapie

Prof. Dr. med. Hajo Thermann

Chirurgie - Unfallchirurgie -
Sportmedizin

Priv.-Doz. Dr. med. Fritz Thorey

Orthopädie - Sportmedizin -
Orthopädie/Unfallchirurgie -
Spezielle Orthopädische
Chirurgie


Bismarckstr. 9-15
D- 69115 Heidelberg
Tel: +49 6221 983 190
Fax: + 49 6221 983 199

TÜV Rheinland