Ermüdungsbrüche (Stressfrakturen)
Ermüdungsbrüche an der unteren Extremität betreffen zu 37 % den Fuß, die Mehrzahl besteht im Bereich des Unterschenkelknochens der Tibia. Hierbei ist die Verteilung der am häufigsten befallenen Ermüdungsbrüche des Fußes das Os naviculare mit 31 %, Metatarsalia 2-4 mit 38 % und Metatarsale 5 mit 23 %, welches als Einzelmittelfußknochen die höchste Insidenz hat. Auf das Fersenbein kommen in etwa 6%.
Die Ermüdungsfrakturen sind in der Literatur nicht so häufig beachtet, von daher gibt es nur wenig einheitliche Behandlungskonzepte. Ermüdungsfrakturen treten dadurch auf, dass das Gleichgewicht zwischen Knochenabbau und Knochenaufbau auf der Seite des Abbaus vermehrt ist, und damit die knöcherne Struktur geschwächt wird. Grundsätzliche Bedingungen hierfür sind leichte, anatomische Verschiebungen mit Mehrbelastung der entsprechenden Knochen, gepaart mit häufig intensivstem Training bei Athleten, aber auch aufgrund hormoneller Umstellung bei Frauen nach dem Klimakterium.
Die Symptome sind meistens Schmerzen und manchmal Schwellzustände. Da die Ermüdungsbrüche auf den normalen Standardröntgenaufnahmen nicht immer eindeutig verifiziert werden, ist die Diagnose teilweise sehr schwierig, häufig über Monate verzögert.
Eine klare, objektive Möglichkeit eine Ermüdungsfraktur so gut wie immer zu diagnostizieren ist die Kernspintomographie, da sie schon im Frühstadium durch signalintensive Veränderungen im Knochenbereich eindeutige Aussagen zulässt.
Die Prinzipien der Behandlung der Ermüdungsfraktur ist die Heilung in kürzester Zeit, besonders bei Athleten. Aktivitäten die zu einer Verschlimmerung führen sowie die Heilung behindern, sollten vermieden werden. Wichtig ist vor allen Dingen auch bei den meistens athletischen Patienten, die Bewahrung der allgemeinen Fitness und es muss klar festgestellt werden, welcher Knochen durch eine Ermüdungsfraktur betroffen ist.
Das allgemeine Prinzip der Behandlung besteht darin, natürlich den Knochenaufbau gegenüber dem Knochenabbau zu stärken. Dieses kann mit verschiedenen Maßnahmen erreicht werden.
Erstens sollten spezielle, belastende Tätigkeiten eingeschränkt werden bzw. vollständig für einen bestimmten Zeitraum abgestellt werden.
Natürlich ist die einfachste Möglichkeit die Ruhigstellung durch eine Gipsbehandlung, wodurch eine Entlastung des Knochens im Frakturbereich erreicht werden kann. Heutzutage ist aber eine Gipsbehandlung nicht mehr in der Form angezeigt, da sie alle anderen Gelenke stilllegt und somit zu einer massiven Muskelschwächung als auch Bewegungseinschränkung führt.
In der Regel wird heutzutage die Behandlung in einem so genannten Short-Walker (Bild reinstellen) durchgeführt. Dies ist ein gut gepolsterter Plastikgips, der teilweise auch mit Einlagen versorgt werden kann, in dem die Patienten zum einen den Schutz der Belastung haben, zum anderen aber aus dem Short-Walker heraus Bewegungsübungen in den anliegenden Gelenken und krankengymnastische Übungsprogramme durchführen können, um somit die Beweglichkeit der Gelenke sowie auch eine gute Zirkulation als Unterstützung der Heilvorgänge im Bereich der Fraktur zu ermöglichen.
Der Patient sollte unbedingt weiterhin ein allgemeines Fitnesstraining durchführen. Da meistens leichte Variationen mit Fußfehlstellungen vorliegen, sollte unbedingt eine orthopädische Einlage in der weiteren Behandlung verschrieben werden. Zusätzlich können in der Übergangszeit, nach dem Short-Walker, Stützverbände wie Tapes und Orthesen angelegt werden. Ferner sollten funktionelle Stabilisationen des Fußes und der unteren Extremität mit krankengymnastischen Therapeuten ergänzend durchgeführt werden.
Es wird schrittweise eine Rückkehr zu den sportspezifischen Aktivitäten gefunden. Vor allen Dingen ist eine Kontrolle der Technik (z.B. bei Springern) enorm wichtig. Ferner sollte über Variationen im Bereich der Sportausrüstung nachgedacht werden. Wichtig ist weiterhin für einen reibungslosen Heilverlauf eine Untersuchungskontrolle bei Leistungssportlern in etwa 2 - 4 Wochen.

