Meniskus
Meniskusriss - erster Schritt zur Arthrose?
Überblick über Meniskus erhaltende Operationsverfahren und Meniskusersatz
Das Kniegelenk muss im Alltag höchste Stabilität, Beweglichkeit und Tragkraft aufweisen. Dabei dienen die Menisken als "halbmondförmige elastische Knorpelscheiben zwischen Oberschenkelrolle und Schienbeinkopf als wichtigste Stoßdämpfer.
Durch eine Sportverletzung und den natürlichen Alterungsprozess kommt es häufig zu Meniskusschäden, die eine der häufigsten Ursache für Kniegelenksschmerzen darstellen. Aus dem Verbund losgelöste Meniskusteile zerstören die empfindliche Knorpeloberfläche des Kniegelenkes und führen so zu Gelenkverschleiß und Arthrose.
Durch eine exakte Diagnostik kann heute ein Meniskusriss frühzeitig erkannt und therapiert werden. Neben der "klassischen" Meniskusteilentfernung kommen heute vor allem auch meniskuserhaltende Verfahren sowie der minimal invasive Ersatz des Meniskus durch ein Spendertransplantat oder einen künstlichen Meniskus zum Einsatz. Hierdurch kann insbesondere bei jungen Patienten im Frühstadium die Entwicklung einer Arthrose verhindert bzw. verzögert werden.
Der folgende Artikel beschreibt die Anatomie und Funktion der Menisci sowie minimal invasive Operationsverfahren zum Meniskuserhalt bzw. Meniskusersatz.
Anatomisches Präparat (Siebold u. Metz) mit Innen- und Außenmeniskus
Was ist der Meniskus?
Das elastische Meniskusgewebe liegt wie eine Unterlegscheibe zwischen der Oberschenkelrolle und dem Schienbeinkopf. Wir unterscheiden beim Menschen einen Innen- und Außenmeniskus.
Die Menisci imponieren keilförmig mit einem dickeren äußeren Rand der mit der Gelenkkapsel fest verwachsen ist. Das knorpelartige Meniskusgewebe passt sich ideal der Oberfläche der beiden Gelenkflächen des Kniegelenkes an und dient somit als idealer Puffer bei Stoßbelastungen.
Die Aufgaben des Meniskus sind vielfältig. Er führt durch eine deutliche Vergrößerung der Auflagefläche zu einer Stressverteilung von 30-70% der Gesamtlast im Kniegelenk, dient damit der Schockabsorption, der Gelenkschmierung und trägt auch zur Stabilität des Kniegelenkes bei. Die Menisci tragen somit wesentlich zum Schutz des Gelenkknorpels bei. Beachtlich ist, dass nach einer Meniskusteilentfernung der Druck auf die Gelenkflächen auf das 2,5 bis 6-fache ansteigt.
Der Meniskus besteht aus dichtem Fasergewebe, welches nur im Randbereich zur Gelenkkapsel mit Blutgefäßen versorgt ist. Diese Zone nennt man die Red-Red-Zone. Die mittlere Zone sowie die Meniskusspitze sind gering bis nicht durchblutet und haben damit deutlich schlechtere Heilungsaussichten.
Nervenfasern enthält der Meniskus nicht, dadurch führt eine Meniskusdegeneration oder ein Meniskusriss zunächst nicht zu Schmerzen. Ein degenerativer oder akuter Meniskusriss führt jedoch oftmals zu Verschiebungen und Einklemmen von Meniskusgewebe durch Gewichtsbelastung und führt dadurch sekundär zu einer Reizung der Gelenkschleimhaut mit Schmerzrezeptoren. Bildlich gesprochen verhält sich die Situation wie "Sand im Getriebe". Erst durch die mechanische Irritation entstehen Schmerzen die je ein Spektrum von sehr mild bis stark ausgeprägt aufweisen.
Ein frischer Riss des Meniskus bei jungen Patienten hat in der Regel eine gute bis sehr gute Heilungschance. Natürlich ist die Heilung auch von der Rissform abhängig. Wie jedes andere Gewebe unterliegt das Meniskusgewebe beim Menschen auch einer natürlichen Alterung. Hier spielen genetische Faktoren eine wichtige Rolle. Es ist einleuchtend, dass der natürliche Alterungsprozess von dem Grad der Belastung im Alltag beeinflusst wird. So ist der vorzeitige Verschleiß der Meniskusscheiben beim Bergarbeiter, der ständig in der tiefen Hocke seinen Meniskus einquetscht als Berufskrankheit anerkannt.
Die schlechte Blutversorgung des Meniskus hat zur Folge, dass nur gesundes Meniskusgewebe bei jungen Patienten eine ausreichende Heilungschance hat. Kapselnahe Risse sowie ein Meniskusriss in Kombination mit einer Kreuzbandverletzung haben besonders gute Heilngsaussichten. Bei degenerativen Veränderungen des Meniskus ist ein Erhalt der geschädigten Gewebes nicht aussichtsreich, da keine Heilung und somit Schmerzreduktion eintritt.


1) Gesunder Meniskus 2) Kapselnahe Gefäße zeigen Meniskusdurchblutung, Präparat n. Arnoczky et.al.
Folgen des Meniskusriss für das Kniegelenk
Eine akute bzw. degenerative Meniskusverletzung sollten in jedem Falle von einem Kniespezialisten abgeklärt werden um eine frühzeitige individuelle Therapie einzuleiten.
Ein gerissener Meniskus führt zu einer unebenen Gleitfläche zwischen Ober- und Unterschenkel ("Sand im Getriebe"). Aus dem Verbund gelöste Meniskusanteile führen beim Einklemmen zu Belastungsspitzen zwischen Ober- und Unterschenkelknorpel und zerstören so die empfindliche Knorpeloberfläche. Die einst spiegelnde Oberfläche des Knorpels wird stumpf und erweicht. Dies ist der Ausgangspunkt für eine allmähliche Auffaserung und einen Abrieb des Knorpels, wobei wir von Arthrose sprechen, wenn sich der Knorpel bis auf die Knochenoberfläche abgerieben hat.
So wie man einen abgefahrenen Autoreifen erst in extremen Situationen spürt, kann ein verschlissener Meniskus über längere Zeit vorhanden sein, bis er schließlich Schmerzen auslöst. In diesen Fällen findet man bei der Spiegelung des Kniegelenkes zumeist bereits die oben beschriebenen Knorpelschäden.


2 Beispiele für einklemmenden Meniskus
Beschwerden bei Meniskusriss
Bei Sportlern kommt es häufig durch eine übermäßige Belastung des Meniskus zu einem akuten Meniskusriss. Der Patient beschreibt in der Regel einen einschießenden stechenden Meniskusschmerz. Frische Verletzungen führen häufig zu einer akuten Funktionseinschränkung im Sport bzw. zu bleibender Belastungsunfähigkeit.
Insbesondere Rotationsbelastungen des Kniegelenkes werden im Bereich des Gelenkspaltes innen und außen als schmerzhaft empfunden. Häufig ist keine sportliche oder körperliche Belastung mehr möglich.
Aufgrund der Beschwerden wird frühzeitig die Diagnose der Meniskusläsion gestellt und eine entsprechende operative Therapie eingeleitet. Wird die frische Meniskusverletzung verschleppt, kann es durch mechanische Irritation und Einquetschen des Meniskus zur Schädigung desselben und zur Schädigung des Gelenkknorpels mit der Ausbildung einer frühzeitigen Arthrose kommen.
Bei degenerativen Rissen des Meniskus entwickelt sich der Prozess schleichend, sodass nach und nach ein zunehmend störendes Gefühl im Bereich des Kniegelenkes innen- bzw. außenseitig auftritt. Oftmals ist kein Unfall erinnerlich oder es reicht eine Alltagsbelastung, z.B. das Aussteigen aus dem Auto oder eine tiefe Hocke aus, um ein schmerzhaftes Zerplatzen des degenerativ veränderten Meniskus auszulösen.
Bildet sich ein Lappenriss oder ein sogenannter Korbhenkelriss kann es zu akuten schmerzhaften Blockaden des Kniegelenkes mit Einschränkung des Bewegungsumfangs kommen. In den meisten Fällen tritt hierbei eine schmerzhafte Streckhemmung auf, die durch bestimmte Rotationsbewegungen mit Reposition des Meniskus vorübergehend behoben werden kann. Auch wird vom Patienten oftmals ein Schnappen des Meniskuslappens beschrieben.
Alltagsbelastungen sind bei Meniskusrissen häufig durchführbar, jedoch klagen insbesondere Patienten in stehenden Berufen über zunehmende Schmerzen im Bereich des inneren oder äußeren Gelenkspalts im Tagesverlauf. Stärkere Belastungen müssen häufig abgebrochen werden, bzw. führen zu einer starken Schmerzzunahme mit Reizung und Erguss im Kniegelenk. Auch eine lokale Überwärmung des Kniegelenks ist nicht selten.
Kommt es nach einer Rotation des Kniegelenkes oder nach tiefer Hocke zu einem einschießenden Schmerz in das Kniegelenk oder sogar einer Blockade im Kniegelenk mit Unfähigkeit das Kniegelenk zu strecken oder zu beugen, sollte ein Meniskusriss ausgeschlossen werden.


1) Außenmeniskuskorbhenkelriss 2) Eingeklemmter Meniskus n. Fußballschuss, aus Kapandji: Funkt. Anatomie der Gelenke


1) Instabiler großer Korbhenkelriss 2) Herausgesprungener "Korbhenkelriss" blockiert das Gelenk
Diagnose einer Meniskusverletzung
Der erfahrene Untersucher kann durch eine genaue Erhebung des Unfallhergangs bzw. der Vorgeschichte bereits die Verdachtsdiagnose einer Meniskusverletzung stellen. Durch eine gezielte klinische Untersuchung im Bereich des Innen- und Außenmeniskus kann die Diagnose weitgehend gefestigt werden. Standardisierte Röntgenaufnahmen im Stehen ergänzen die Diagnostik um knöcherne Ursachen der Beschwerden auszuschließen und um die weite des Gelenkspaltes zu ermitteln.
Die Kernspintomographie ist sicherlich das zuverlässigste Mittel, um einen Meniskusriss darzustellen. Insbesondere die Form und Ausdehnung der Schädigung kann durch die Kernspinuntersuchung verdeutlicht werden. Besonders hilfreich ist das Kernspin auch bei unklaren Fällen, um hier eine eindeutige Aussage zum Meniskus und eine Differenzialdiagnose zu treffen. Eine genaue Diagnostik der Meniskusverletzung ist aus unserer Sicht notwendig, um die entsprechende individuelle Therapie einzuleiten.



1) Meniskusuntersuchung, 2+3) Röntgenuntersuchung ap. und seitlich

MRT-Aufnahmen: 1) Intakter Außenmeniskus 2) Intakter Innenmeniskus 3) Meniskusriss
Behandlung von Meniskusrissen
Grundsätzlich muss ein Meniskusriss nicht immer operiert werden. Bei Beschwerdefreiheit kann durchaus ein konservativer (nicht operativer) Therapieversuch mit Physiotherapie und entsprechenden Medikamenten unternommen werden. Besondere bei älteren oder nur wenig aktiven Patienten kann dadurch oftmals eine Operation vermieden werden.
In den meisten Fällen jedoch bestehen persistierende Beschwerden im Alltag und bei Belastung, die die Lebensqualität deutlich einschränken. Dann empfiehlt sich die Durchführung einer Kniegelenksspiegelung, die im Gegensatz zu früheren Zeiten heute minimalinvasiv (arthroskopisch) durchgeführt wird. Dadurch ist eine exzellente Darstellung und Untersuchung des Gelenkknorpels und der Menisci möglich und es wird gleichzeitig der Schaden behandelt.
Degenerativ geschädigte Meniskusanteile werden sparsam jedoch gründlich entfernt, da sie das Kniegelenk reizen und keine Heilungschance haben. Es gilt grundsätzlich, so viel funktionstüchtiges Meniskusgewebe wie möglich zu erhalten, um die langfristigen Folgen der Meniskusoperation zu verringern.
Bei jüngeren Patienten ist es jedoch absolut sinnvoll, das Meniskusgewebe durch eine Naht zu erhalten. Bei kleineren schmerzhaften Meniskusdefekten und jüngeren Patienten raten wir heute zur Implantation eines modernen Meniskusersatzgewebes, bei komplettem Meniskusverlust zur Transplantation eines Spendermeniskus (menschliches Gewebe). Genaueres siehe unten.


1) Innenmeniskusriss 2) Ergebnis nach Innenmeniskusglättung
UNSERE SPEZIALITÄT: MENISKUSNAHT
Im Jahr 2009 konnten wir bei mehr als 30% unserer Patienten den Meniskus durch eine Naht erhalten. Durchschnittlich werden nur ca. 2-3% der Menisken genäht!
Besteht ein frischer Riss des Meniskus im kapselnahen gut durchbluteten Bereich oder ist aufgrund des Alters des Patienten die Erhaltung des Meniskus sinnvoll, empfiehlt sich die Naht des Meniskus. Nur so können die wichtige Funktionen des Meniskus für das Knie erhalten bleiben.
Eine Meniskusnaht kann auf unterschiedliche Art und Weise durchgeführt werden und richtet sich nach der Größe und der Lokalisation. Der erfahrene Operateur kann unterschiedliche Nahttechniken anwenden. Nur hierdurch ist eine optimale Befestigung des gerissenen Meniskus möglich und es können optimale Heilungsbedingungen geschaffen werden. Heute stehen dem Operateur exzellente Menisksusfadenimplantate zur Verfügung, die eine vollständige arthroskopische Naht des Meniskus ermöglichen. Implantate werden in erster Linie im kniekehlen-nahen Bereich des Meniskus (Hinterhorn) verwendet. Im seitlichen Bereich des Meniskus bzw. im vorderen Bereich (Pars intermedia und Vorderhorn) werden auch oftmals reine Fadennähte durchgeführt.
Ein sogenannter "Korbhenkelriss" stellt eine der schwersten Verletzungen des Meniskus dar. Hierbei kommt es zum Abreißen eines großen Meniskusanteils, der eine weitere körperliche Belastung nahezu unmöglich macht. Leider treten Korbhenkelrisse besonders bei jüngeren, sportlich aktiven Patienten und bei instabilen Kniegelenken, z.B. nach Kreuzbandriß auf. Gerade bei einem Korbhenkelriss ist der unbedingte Erhalt des Meniskus sinnvoll, da die Entfernung des großen Korbhenkellappens ansonsten einer weitgehenden Meniskusentfernung entspräche.
Die Heilungsaussichten des Meniskus hängen neben der Lokalisation der Verletzung insbesondere auch von der Größe und Form des Risses ab. Kleinere gut durchblutete Meniskusverletzungen haben eine ca. 80-90 %ige Heilungschance. Bei größeren komplexen Rissformen und auch Korbhenkelrissen reduziert sich die Heilungschance auf 50-70%. Dennoch ist der Erhalt des Meniskusgewebes absolut anzustreben, um Folgeschäden zu vermeiden.
Tritt Heilung ein verschwinden die Beschwerden des Patienten innerhalb von 6-8 Wochen. Bleibt die Heilung aus oder tritt eine erneute Meniskusverletzung auf, bestehen wiederum Beschwerden am Kniegelenksspalt und eine Entfernung der erneut geschädigten Meniskusanteile wird notwendig.

1) FastFix (Fa. Smith & Nephew) 2) Meniskusnaht mit FastFix 3+4) Meniskuskorbhenkelnaht
UNSERE SPEZIALITÄT: MENISKUSTRANSPLANTATION
Patienten, die bereits in jungen Jahren unfallbedingt ihren Meniskus verlieren, droht auf mittlere bis lange Sicht die Entwicklung einer Früharthrose. Oftmals gesellt sich frühzeitig ein beginnender schmerzhafter Knorpelschaden der Oberschenkelrolle und des Schienbeinkopfes hinzu. Schmerzen und Ergussbildung im Kniegelenk sind erste Anzeichen des Arthroseentwicklung und wichtiger Hinweis auf eine frühzeitige Überlastung des Gelenkabschnittes.
Ein wichtiges Operationsverfahren stellt in dieser Situation die Transplantation eines Spendermeniskus dar. Dabei kann sowohl der Innen- wie auch der Außenmeniskus ersetzt werden. Das Verfahren setzt eine genaue Diagnostik voraus, entsprechend muss die Größe und auch die Seite des Meniskus individuell genau bestimmt werden. Der Spendermeniskus wird von international anerkannten Gewebebanken bestellt. Er stammt von verstorbenen Unfallopfern, die sich mit der Entnahme einverstanden erklärt hatten. Eine Abstoßungsreaktion, wie bei transplantierten inneren Organen oder eine lebenslange Medikamenteneinnahme, wie z.B. nach einer Herztransplantationen ist nach Meniskustransplantation nicht notwendig. Der Spendermeniskus wird unter sterilen operativen Bedingungen entnommen und dann nach international üblichen Kriterien auf Krankheitserreger hin untersucht. Dabei ist die Gefahr einer Übertragung von Infektionskrankheiten verschwindend gering, jedoch nicht ausgeschlossen. Nach entsprechender Lagerung und aufwändigem Transport wird die Meniskustransplantation im Rahmen einer Gelenkspiegelung minimal invasiv durchgeführt. Die Operation ist komplex und dauert ca. 1 bis 2 Stunden. Durch internationale Kontakte mit entsprechenden Transplantatzentren sind wir mit der Technik der Meniskustransplantation bestens vertraut.
Klinische Studie zeigen eine deutliche Schmerzreduktion und ein sehr gutes Einwachsverhalten der Spendermenisci und die überwiegende Zahl der Patienten kommt mit dem Spendermeniskus gut zurecht. Langzeitstudien belegen überdies, daß die klinische Erfolgsrate bei guten Knorpel-verhältnissen bei ca. 80% liegt. Dennoch sollte eine intensive sportliche Belastung nach der Transplantation nur nach Rücksprache mit dem Operateur angestrebt werden.
Unter Umständen sind begleitende Operationen zur Beinachskorrektur notwendig, um eine optimale Entlastung des geschädigten Gelenkabschnitts und des Spendermeniskus zu erzielen. Der Nachteil eines Spendermeniskus liegt in der oftmals monatelangen Wartezeit auf ein geeignetes Transplantat.

1) Spendermeniskus vor Implantation 2) Markierung Spendermeniskus zur besseren Orientierung

1) Spendermeniskus-Ausgangssituation mit Knorpelschaden, Meniskus fehlt 2) Spendermeniskus nach Implantation
3) Eingeheilter Spendermeniskus
Implantation eines künstlichen Meniskus Da es oftmals sehr schwierig ist, einen Spendermeniskus zu erhalten, wird wissenschaftlich intensiv daran gearbeitet, ein Ersatz-Implantat für beschädigtes Meniskusgewebe herzustellen. Ziel ist es, Schmerzen zu reduzieren, und das Gewebewachstum in einem beschädigten Meniskus anzuregen. Das Ersatzgewebe wird dabei in den Defektbereich des Innen- oder Außenmeniskus eingenäht, wo das Einwachsen und die Bildung von neuem, meniskusartigem Gewebe erwünscht ist. Wir führen die Implantation minimal invasiv im Rahmen einer Kniegelenksspiegelung (Arthroskopie) durch. Bisher eignen sich Meniskus-Ersatz-Implantate nur für einen Teil-Ersatz des Meniskus und sind bei komplettem Meniskusverlust aus unserer Erfahrung nicht geeignet. Momentan sind zwei unterschiedliche Implantate auf dem europäischen Markt erhältlich: 1. ACTIfit" (Polyurethan-Meniskus-Implantat) (Firma Orteq Ltd.) Der so genannte ACTIfit" Meniskus ist ein synthetisches poröses Material (schwammartiges Gewebe) mit einer dicht vernetzten Porenstruktur. Histologische und kernspintomographische Untersuchungen zeigen, dass Blutgefäße in den ACTIfit" Meniskus einwachsen und neues Gewebe um die Blutgefäße herum entsteht. In dem Maße, wie das neu gebildete Gewebe die mechanischen Eigenschaften des Implantats übernimmt, verliert der ACTIfit seine Funktion. Es löst sich langsam auf und wird vom Körper abgebaut. Das Implantat ist für den europäischen Markt zugelassen und hat in einer wissenschaftlich klinischen Studie in Europa bisher gute klinische Kurzzeitergebnisse erzielten können.
![]() 1) Histologisches Präparat zeigt Zellbesiedelung nach Implantation eines ACTifit-Kunstmeniskus 2) ACTifit-Meniskus nach Implantation 2. Menaflex (früher: CMI - Collagen Meniskusimplantat) Die zweite Möglichkeit der Behandlung schmerzhafter Teil-Meniskusdefekte ist das sogenannte "Menaflex"-Meniskusimplantat. Hierbei handelt es sich im Gegensatz zum Actifit nicht um ein synthetischen Meniskusimplantat sondern um ein natürliches Kollagenimplantat, was Vor- und auch Nachteile in sich birgt. Unsere Erfahrung mit dem Menaflex bzw. CMI belaufen sich zwischenzeitlich auf mehr als 10 Jahre. In der ATOS Klinik wurde einer der ersten Workshops zu diesem Implantat durchgeführt. Wir setzten den Menaflex-Meniskus wie auch den Actifit zur Behebung von schmerzhaften Defekten am Innen- und Außenmeniskus bei jüngeren Patienten ein. |
Nachbehandlung nach Meniskusoperation (siehe auch Rubrik: "Nachbehandlung")
Nach einer Teilentfernung des Meniskus kann bereits am Operationstag ein schmerzorientierter Übergang zur Vollbelastung erfolgen. Unterstützend können Unterarmgehstöcke verwendet werden. Begleitend wird in den ersten Wochen nach der Operation Krankengymnastik empfohlen. Die Arbeitsfähigkeit ist bei Bürotätigkeit in der Regel nach 1 bis 2 Wochen wieder hergestellt. Bei körperlich tätigen Patienten kann es jedoch auch einige Wochen dauern, bis der Patient wieder seiner beruflichen und sportlichen Tätigkeit nachgehen kann.
Nach Meniskusnaht ist in der Regel eine 3 bis 4-wöchige Teilbelastung des Kniegelenkes an Unterarmgehstützen notwendig, um die Heilung des Meniskus zu gewährleisten. Ab der 5. Woche erfolgt dann der Übergang zur Vollbelastung, sodass die Gehstöcke in der Regel nach der 5. Woche weggelassen werden können. Auch hier wird begleitend Krankengymnastik durchgeführt.
Nach Meniskustransplantation verlängert sich die Phase der Teilbelastung auf 5 bis 6 Wochen, ansonsten ergeben sich keine wesentlichen Unterschiede zur Meniskusnaht. Auch nach Implantation von Meniskusersatzgewebe (z.B. ACTIfit) sind ca. 6 Wochen Teilbelastung notwendig.
Sportfähigkeit nach Meniskusoperation
Nach einer Meniskusteilentfernung kann das Knie schon am Tag der Operation ohne Gehstöcke vorsichtig belastet werden. Radfahren ist bei normalem Verlauf nach ein paar Tagen möglich. Schwimmen schließt sich nach Abschluss der Wundheilung ca. 3 Wochen postoperativ an. Joggen und Stop-and-Go-Sportarten (z.B. Fußball) empfehlen wir frühestens drei- bis vier Wochen nach der Operation.
Nach Meniskusnaht verzögert sich die sportliche Rehabilitation um einige Wochen. Hier empfehlen wir die Aufnahme von sportlichen Aktivitäten frühestens nach 4-6 Wochen. Radfahren und Schwimmen stehen hier zunächst im Vordergrund. Tiefe Hocke sollte für mindestens 3 Monate vermieden werden, um eine Quetschung der Meniskusnaht zu vermeiden. Intensive sportliche Belastung ist frühestens nach 5-6 Monaten sinnvoll.
Nach Transplantation eines Spendermeniskus sowie der Implantation Meniskus-Ersatzgewebe ist eine Rückkehr zu leichtem Sport nach 5-6 Monaten sinnvoll. Zunächst empfehlen wir auch hier Radfahren und Schwimmen. Der Rückkehr zu intensiver sportlicher Belastung muß genau bedacht werden und ist frühestens nach 10-12 Monaten möglich.
Durch regelmäßige klinische Kontrollen und einen behutsamen Aufbau der sportlichen postoperativen Belastung ist in den meisten Fällen eine Rückkehr zu dosierter sportlicher Belastung möglich. Uneingeschränkter Leistungssport ist allerdings nach Meniskustransplantation und der Implantation Meniskus-Ersatzgewebe nur in Ausnahmefällen und bei geeigneten Sportarten möglich.
Artikel verfasst von PD Dr. R. Siebold
Zusammenfassende Beurteilung Meniskusverletzungen sind häufige Ursache für Kniegelenksbeschwerden und können durch einen Unfall bzw. degenerative Veränderungen bedingt sein. Eine frühzeitige Vorstellung zur Diagnostik und Therapie ist sinnvoll, um Folgeschäden zu vermeiden. Bei degenerativen Schäden des Meniskus und komplexen Meniskusverletzungen muss unter Umständen eine Teilentfernung des Meniskus durchgeführt werden. Wir versuchen in jedem Fall gesundes Meniskusgewebe komplett zu erhalten. Hierfür stehen uns moderne Meniskusnahtverfahren zur Verfügung. Im Jahr 2009 konnten wir bei mehr als 30% unserer Patienten den Meniskus durch eine Naht erhalten. Bei schmerzhaftem Teilverlust des Meniskus besteht heute die Möglichkeit der Implantation von künstlich hergestelltem Meniskusersatzgewebe (ACTIfit oder Menaflex). Damit stehen uns neue zukunftsweisende und viel versprechende Operationsverfahren zur Verfügung. Besteht ein kompletter oder weitgehend kompletter Meniskusverlust so besteht die Möglichkeit einer Meniskustransplantation eines Spenders. Unsere langjährigen Erfahrungen sowie Ergebnisse ebenfalls spezialisierter Zentren zeigen gute Ergebnisse mit einer klinischen 10-Jahres-Erfolgsrate um 80% nach Implantation eines Spendermeniskus.
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