Vorderes Kreuzband
Das vordere Kreuzband (VKB) stellt gemeinsam mit dem hinteren Kreuzband den zentralen Stabilisator im Kniegelenk dar. Die Zahl von Kreuzbandrissen ist in den letzten Jahren durch eine steigende Zahl sportlich aktiver Menschen deutlich angestiegen. Die Verletzung führt häufig zu einem erheblichen Funktionsverlust mit ausgeprägter Instabilität und der betroffene Patient ist in seiner sportlichen und beruflichen Leistungsfähigkeit eingeschränkt. Es droht ein frühzeitiges Sport-Aus mit Meniskus- und Knorpelschäden, chronischen Schmerzen, Reizknie und Arthrose. Deshalb wird heute zumeist ein sogenannter "Kreuzbandersatz" empfohlen.
Unsere Spezialität ist der maßgeschneiderte anatomische Kreuzbandersatz.
Wir sind seit vielen Jahren im Kreuzbandbereich tätig und sind auf diesem Gebiet absolut routiniert und erfahren.
WEITER ZU:
1. Maßgeschneiderter anatomischer Kreuzbandersatz in Ein- und Zweibündeltechnik
2. Implantatfreier Kreuzbandersatz in Einbündeltechnik
3. Teilersatz des vorderen Kreuzbands
ALLGEMEINE FRAGEN ZUM ABLAUF DER BEHANDLUNG:
1. Zeitpunkt der Kreuzband-Operation
Eine frische Kreuzbandverletzung kann dann operiert werden, wenn das verletzte Knie gut beweglich und vor allem weitgehend schmerzfrei ist.
Dies ist von Patient zu Patient sehr unterschiedlich und kann unmittelbar nach einem Kreuzbandriß oder erst Wochen danach der Fall sein. Nur wenn vor der Operation der Bewegungsumfang gut ist und die Schmerzen gering sind , kann der Patient auch nach der Operation eine zügige Rehabilitation durchführen. Der Operationszeitpunkt sollte natürlich auch mit familiären und beruflichen Bedürfnissen abgestimmt sein, womit eine wichtige positive mentale Einstellung erreicht wird.
Die von Ärzten am meisten gefürchtete Komplikation nach Operation des vorderen Kreuzbandes ist die postoperative verminderte Beuge- und Streckfähigkeit (Arthrofibrose), welche die Rehabilitationsdauer erheblich verlängert und häufig eine Narkosemobilisierung oder gar eine weitere arthroskopische Operation erforderlich macht. Werden o.g. Kriterien berücksichtigt, ist das Risiko für eine Arthrofibrose gering.
2. Ambulant oder stationär?
Wir empfehlen bei der Kreuzbandersatzoperation eine mindestens zwei- bis dreitägige medizinsiche Überwachung in der ATOS Klinik. Unsere erfahrenen Physiotherapeuten bieten Ihnen während Ihres Aufenthaltes eine hervorragende und intensive Rehabilitation. Die Einzelgymnastik wird bis zu zweimal täglich durchgeführt und umfaßt Bewegungsübungen und Mobilisation mit Gangschulung. Nach wenigen Tagen kommen Rehabilitationsmaßnahmen an Geräten hinzu. Gleichfalls werden vom ersten Tag an Lymphdrainagen ein-, bis zweimal täglich durchgeführt. Einzigartig dürfte unser Angebot von Krankengymnastik auch am Samstag und Sonntag sein.
3. Richtiges Sehnentransplantat
Bis vor wenigen Jahren galt ein Streifen aus der Patellarsehne als das Ersatzmaterial (Transplantat)der Wahl. Der Nachteil dieser Sehne sind postoperative Schmerzen und Taubheitsgefühl im Entnahmebereich der Sehne beim Hinknien, wie dies in einigen Berufen notwendig ist (Bodenleger, Fliesenleger, Dekorateur etc.). Bis zu 80 % aller in dieser Art und Weise operierter Patienten klagen über mehr oder weniger ausgeprägte Beschwerden beim Hinknien zumindest in den ersten Jahren nach der Operation. Da die Mehrzahl der Patienten jung ist und kleine Kinder hat oder bald haben könnte, sind sie beim Spielen mit den Kindern auf dem Boden sehr behindert. In einer im Jahre 2005 in der renommierten amerikanischen Fachzeitschrift "The American Journal of Sports Medicine) von uns veröffentlichten Studie konnten wir nachweisen, dass die Beschwerden wohl im Wesentlichen auf das Einwachsen von hartem Narbengewebe in den nach der Entnahme entstandenem Sehnendefekt zurückzuführen ist. Ein weiterer Grund vor allem für das störende Taubheitsgefühl liegt an der Hautschnittführung mit Zertrennung eines wichtigen Hautnervenastes.
Daher wurde die Patellasehne in den letzten Jahren meist zu Gunsten der Kniebeugebeugesehnen = Semitendinosus- und Gracilissehne = Hamstrings als Transplantat verlassen.
Die Semitendinosussehne kann alleine oder in Kombination mit der Gracilissehne eingesetzt werden. Beide Sehnen lassen sich bei gebeugtem Knie an der Innenseite der Kniekehle gut tasten, vor allem, wenn man die Muskeln kräftig anspannt. Heute nennt man sie zunehmend mit dem englischen Namen "Hamstrings". In jüngster Zeit konnte nachgewiesen werden, dass diese Sehnen in der Regel nach der Entnahme binnen einen Jahres wieder nachwachsen.
Bevor wir selbst von der Patellarsehne auf die Beugesehnen umstiegen, haben wir von 1998 bis 1999 beide Operationsverfahren im Rahmen einer aufwendigen prospektiven und randomisierten Studie bezüglich ihres funktionellen Ergebnisses verglichen. Im Endergebnis wurde eine gleich gute Stabilität mit beiden Verfahren erziehlt. Postoperative Probleme beim Hinknieen oder Laufen auf den Knien bzw. Arbeiten waren aber in der Gruppe mit Patellarsehne signifikant größer als in der Gruppe mit Semitendinosus/Gracilissehne. Zu diesem Ergebnis sind inzwischen auch mehrere ähnlich angelegte prospektive Studien gekommen.
Eine weitere kräftige Sehne verbindet die Kniescheibe mit der Oberschenkelstreckmuskulatur, die Quadricepssehne. Sie wird nur vereinzelt angewandt, obwohl sie ebenfalls ein hervorragendes Transplantat ist. Von Nachteil ist, dass die Entnahme technisch nicht ganz einfach ist und einen weiterer Hautschnitt oberhalb der Kniescheibe erforderlich macht.
Schließlich besteht die Möglichkeit eine Spendersehne (Allograft) zum Kreuzbandersatz zu verwenden. Diese muß von einer Gewebebank bestellt werden. Spendersehnen kommen besonders bei komplizierten Revisionsoperationen und Mehrfach-Bandverletzungen zum Einsatz.
4. Nachbehandlung nach Kreuzbandersatz: siehe eigenes Kapitel "Nachbehandlung"

