Sprunggelenks - endoprothese

 

Die Sprunggelenksendoprothese ist im Begriff, in den nächsten Jahren eine Standardindikation bei Arthroseveränderungen des oberen Sprunggelenks zu werden. Wir beteiligen uns maßgeblich auch international daran, diese Standards zu etablieren. Mittlerweile zeigt sich auf dem europäischen Markt eine Vielfalt von angebotenen Endoprothesen. Die wesentlichen wissenschaftlich untersuchten Prothesen werden von Prof. Thermann angewendet.

Auf Grund unserer Erfahrung sind wir der Meinung, dass nicht nur eine Prothese für alle Veränderungen bei Sprunggelenksarthrosen eingesetzt werden kann. Von daher wird in unserer Klinik sehr differenziert und individuell unterschieden und entschieden, bei welchem Patienten welche Prothese eingesetzt wird.

  

Talusschulterprothese

Das Design der Talusschulterprothese zeichnet sich dadurch aus, dass sie eine Kappe hat, nach der der Talus zugeschnitten wird und dann in verschiedene Formen aufgesetzt und fixiert wird. Natürlich bedingt die Implantation einer solchen Prothese, dass eine entsprechende Talusschulter vorhanden ist. Es gibt aber eine Reihe von Fällen, in denen auf Grund des Fortschreitens der Arthrose oder durch andere Bedingungen die Talusschulter nicht mehr in ausreichender Form besteht, so dass es in diesem Fall keinen Sinn macht, eine Taluskappenprothese zu implantieren. 

Kritischer Aspekt der Anwendung der Prothesen besteht in den Veränderungen des unteren Abschnittes des Unterschenkelknochens (Tibiaplafond). Alle Prothesen, die auf dem Markt sinnvoll erscheinen, werden nicht mehr zementiert implantiert.
Deshalb müssen Bedingungen bestehen, die das Einwachsen der Prothese in den Knochen wahrscheinlich erscheinen lassen. Aus unserer Sicht sehen wir gerade bei Zuständen nach schweren Trümmerfrakturen des Unterschenkels mit Knochendefekten (Pilonfrakturen) und schweren Durchblutungsstörungen des Knochens jedweder Art, diese Art von Prothesen als problematisch an. Da wir bezweifeln, dass sich an diesen Stellen ein guter Verbund zwischen Knochen und Prothese ausbilden wird.

Um der tibialen Komponente mehr Festigkeit zu verleihen, gibt es Prothesen, die neben einem flachen Aufliegen auf dem Unterschenkel noch einen Schaft haben, der in den Unterschenkelknochen eingebaut wird und somit eine vermehrte Stabilität gewährleistet. Diese Prothesen sind sicherlich auch bei Defektsituationen am Tibiaplafond sinnvoll, da sie vergleichbar mit der Revisionsknieendoprothetik eine größere mechanische Stabilität gewährleisten. 

In diesem Fall sind wir der Meinung, dass ein anderer Prothesentyp in Anwendung kommt, der im Design ein flaches Zuschneiden des Talus vorsieht, um dann in verschiedenen Formen der Verankerung eine Komponente auf den flachen Schnitt aufsetzt. Wir bezeichnen dass als eine Onlay-Prothese. 

  

Revisionsendoprothetik

Gerade in Defektsituationen als auch in Situationen, in denen eine Lockerung einer herkömmlichen Prothese vorliegt, besteht heute mittlerweile die Möglichkeit, mit einer Schaftprothese im Bereich der Tibia als auch einer gekoppelten Prothese (Agility air) Defektsituationen zu beherrschen und somit eine Arthrodese (Versteifung) zu vermeiden. Die zuletzt angesprochene Prothese fordert eine sehr große Knochenresektion, so dass sie aus unserer Sicht für eine primäre Implantation nicht geeignet ist, aber sehr wohl gerade bei einem Defekt oder in Revisionssituationen angewendet werden kann. 

Der Ausblick in die Sprunggelenksendoprothetik ist sehr verheißungsvoll. Hinsichtlich der vermehrten Implantation von Sprunggelenksprothesen, vergrößert sich das Interesse der Industrie hier in Forschungsvalenzen zu investieren, so dass in den nächsten 5-10 Jahren die Sprunggelenksendoprothese mit Sicherheit der Standard in der Behandlung der Arthrose des oberen Sprunggelenks sein wird. 

Ein weiterer Vorteil der meisten Prothesen besteht im geringen Substanzverlust, der auch bei Versagen und Lockerung der Prothese in den meisten Fällen mit einer relativ komplikationsfreien Versteifung gelöst werden kann. Bei der Durchführung einer normalen Versteifung ist etwa eine Knochenresektion von 1 cm notwendig verglichen mit einer Resektion bei der Implantation einer Sprunggelenksprothese in den oben aufgeführten Dimensionen von etwa 1,4 cm Umfang. Man erkennt daher, dass das Risiko, einer Versteifung nach Versagen der Sprunggelenksendoprothese, aus welchem eine schwierige Situation entsteht, relativ gering ist.
Grund hierfür ist, dass sich eine Versteifung nach Prothesenlockerung nicht wesentlich von der normalen Versteifung unterscheidet.

Darstellung der AES-Revisonsprothese in situ 

6 Monate nach Implantation der AES-Revisonsprothese 

  

Talusonlayprothese

Seit November 2004 wird von Prof. Thermann die neueste Weiterentwicklung der Sprunggelenksendoprothese als einer der ersten Operateure in Europa durchgeführt. 


Darstellung der Mobility-Prothese für das obere Sprunggelenk


Die Vorteile der neuen Prothese liegen darin, dass sie eine höhere Präzision im Hinblick auf die Zentrierung der Unterschenkelknochen-Komponente (tibiale Komponente) gegenüber der Sprunggelenkskomponente (talare Komponente) ausweist.


Darstellung der Zentrierungsmöglichkeit der Unterschenkelknochen-Komponente bei der Mobility-Prothese für das obere Sprunggelenk


Die ersten Implantationen zeigen eine sehr gute Wiederherstellung der Beweglichkeit des Sprunggelenkes. Aufgrund der Oberflächenbeschichtung, die im Gegensatz zur früher durchgeführten Hydroxylapatidbeschichtung, jetzt sogenanntes Porous coating (Einwachsen in poröse Oberflächen durch den Knochen), gewährleistet die Prothese ein sehr sicheres, stabiles Einwachsen in den Knochen.

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Zentrum für Hüft-, Knie- und
Fußchirurgie, Sporttraumatologie

Prof. Dr. med. Hans H. Pässler

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